Markt- und Rahmenbedingungen
Konjunkturelles Umfeld
Die weltweite Realwirtschaft zeigte sich im 1. Halbjahr 2008 noch weitgehend unberührt von der in den USA ausgelösten Finanzkrise. Obwohl wichtige internationale Banken bereits in den Sog der US-Hypothekenkrise gerieten, expandierte die Wirtschaft in den ersten Quartalen 2008 noch. Wachsende Finanzierungsprobleme und die mangelnde Liquidität wichtiger Bankhäuser wirkten sich dann ab der 2. Hälfte des Jahres 2008 auch auf die Realwirtschaft aus. Das noch Ende 2007 prognostizierte weltweite BIP-Wachstum in Höhe von 5,1 Prozent konnte nicht erreicht werden. Die globale Wirtschaft wuchs nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur noch um 2,7 (Vorjahr: 3,9) Prozent. Wachstumstreiber waren vor allem China, Indien und Russland.
Materialaufwandsquote gesunken. Im Berichtsjahr machte der Materialaufwand mit 454,1 (Vorjahr: 333,7) Mio. € einen Anteil von 49,2 (Vorjahr: 49,6) Prozent von der Gesamtleistung aus. Damit ist die Materialaufwandsquote um 0,4 Prozentpunkte gesunken.
Aufgrund stark steigender Rohstoffpreise und aufgrund von Kapazitätsengpässen setzte im Berichtsjahr ein Trend zu Preiserhöhungen ein. Diesen konnten wir abmildern, teils sogar eliminieren. Gelungen ist uns dies durch Skaleneffekte, vor allem aber durch den Abschluss von Langfristversorgungsverträgen, größere Einkaufsmengen, Kapazitätsreservierung und klarer Lieferantenstrukturierung für strategisch wichtige Produkte teilweise bis ins Jahr 2012. Die steigenden Rohstoffpreise beziehen sich auf Verbrauchsmaterialien: Hierbei zu nennen sind zum einen Aluminium, Kupfer, Silber als Bestandteile von Rahmen, Kabeln, Zellverbindern, Pasten sowie Halbfertigfabrikate, wie Rohgrafite, als auch organische und anorganische Chemikalien. Die Siliziumpreise im Rahmen von Langfristkontrakten waren im Berichtsjahr recht stabil.
Die Versorgung der Fertigungsstandorte mit Rohstoffen und mit den entsprechenden Verbrauchsmaterialien war 2008 zu jedem Zeitpunkt sichergestellt. So können beispielsweise aus der vertraglich zugesicherten Siliziummenge eines im 1. Quartal mit dem koreanischen Siliziumproduzenten DC Chemical Co. Ltd. (DCC) abgeschlossenen Liefervertrages Wafer mit einer rechnerischen Gesamtproduktionsleistung von 600 MW hergestellt werden. Ferner schlossen wir einen weiteren Kontrakt über die Lieferung von Solarsilizium bis 2016 im Wert von 580 Mio. US-Dollar, der den Waferausbau in Freiberg und Hillsboro unterstützt.
Für die neue Modulproduktion in Südkorea wurde ebenfalls im Berichtsjahr ein Langfristvertrag mit dem koreanischen Waferproduzenten Nexolon Co. Ltd. abgeschlossen, der die Grundversorgung der neuen Modulproduktion in Südkorea ab 2009 sichern wird. Der Kontrakt sieht die Versorgung mit 420 MW Wafern für sieben Jahre vor.
Intern stärken wir unsere Beschaffungsposition bei den Vorprodukten Wafer und Zelle durch unsere integrierte Produktion. Rund die Hälfte unserer produzierten Wafer verarbeiten wir konzernintern zu Zellen und Modulen weiter. Darüber sichern wir die Stabilität unseres Geschäftes und unser Wachstum.
Konzernweite Organisation gewährleistet Effizienz. Der Einkauf ist über unser zentrales konzernweites Beschaffungsmanagement am Produktionsstandort Freiberg/Deutschland organisiert. Purchasing Manager in den USA und Südkorea flankieren den konzernweiten Einkauf. Die Arbeitsinhalte der Einkaufsteams sind Materialgruppen bezogen angelegt und gewährleisten so effiziente und kurze interne Informationswege.
Qualitäts- und Umweltanspruch – Supplier Capital. Nach einer internen Lieferantenbefragung vom August 2008 sind 77,5 Prozent unserer Lieferanten nach ISO 9001 im Bereich des Qualitätsmanagements zertifiziert und 30 Prozent nach ISO 14001 umweltzertifiziert. Zudem schließen wir Qualitätssicherungsvereinbarungen mit unseren Lieferanten ab. Darüber minimieren wir unsere eigenen Wareneingangsprüfungen, reduzieren das Risiko entlang der Lieferantenkette hinsichtlich erforderlicher Umwelt- und Qualitätsstandards, senken darüber wiederum die Kosten und untermauern den Qualitäts- und Umweltanspruch der Marke SOLARWORLD gegenüber unseren Kunden.
Konzernwachstum durch Rohstoffaktivitäten gesichert. Silizium, der wichtigste Rohstoff für die Solarbranche, unterlag im Berichtsjahr heftigen Preisschwankungen. Der Solarstrommarkt Über langfristige, teils in den vergangenen Jahren abgeschlossene Siliziumverträge konnten wir ein Durchschlagen der Volatilitäten auf unsere Einkaufspreise minimieren. Mit einer eigenen Siliziumproduktion und unseren Recyclingaktivitäten ist es uns zudem gelungen, unsere Rohstoffposition und -kosten weiter zu stabilisieren. Unsere Waferproduktion 2008 sowie weitere Ausbaupläne sichern wir über drei unabhängige Säulen (1. Siliziumproduktion, 2. Recycling, 3. Externe Beschaffung).
Eigene Siliziumproduktion gestartet. Unter dem Dach der SUNICON AG bündeln wir unsere konzerneigenen Rohstoffaktivitäten. Im Rahmen des Joint Ventures JOINT SOLAR SILICON VERWALTUNGS GmbH (jssi) mit der Evonik Degussa GmbH (solarworld: 49 Prozent) bewerten und entwickeln wir Verfahren hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit und Wirtschaftlichkeit in der industriellen Siliziumfertigung.
2008 hat jssi die Siliziumproduktion aufgenommen. Das bisher einzigartige jssi-Verfahren, basierend auf Monosilan, ist extrem energieeffizient, denn es spart im Vergleich zur herkömmlichen Siliziumherstellung bis zu 90 Prozent der benötigten Energie ein. Diese günstige Energieeffizienzbilanz war einer der Gründe, weshalb die SOLARWORLD im Berichtsjahr den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie »Produktion « erhielt. Die Marke
Ein weiteres Plus: Die Investitionskosten für dieses Verfahren liegen deutlich unter denen des bisher gebräuchlichen Siemens-Verfahrens. Das neuentwickelte Abscheideverfahren ist mit vier Patenten geschützt. Alle Rechte liegen exklusiv bei der jssi, deren Rahmenbedingungen in einem Grundlagenvertrag geregelt sind. Die Evonik Degussa GmbH stellt zum einen das Vorprodukt Monosilan und ist zum anderen im Rahmen des Joint Ventures Partner bei der Errichtung der Abscheideanlage zur daraus folgenden Herstellung von Solarsilizium der Marke sunsil®. Das Joint Venture sichert uns damit günstiges Silizium auch in Zeiten teuren und knappen Siliziums. Am 8. August startete die industrielle Produktion mit einer geplanten nominalen Jahresendkapazität von 850 t. Mit Anfahren der Anlage wurden die Produktionsmengen sukzessive bis zum Jahresende hochgefahren, so dass wir 2008 erstmals rund 46 t Solarsilizium aus dieser internen Rohstoffquelle bereitstellen konnten. Zur weiteren Veredelung des sunsil® Produktes wurden drei Verdichtungsprozesse entwickelt, die schon 2009 in die Produktion überführt werden. Über die Abnahme des Vorproduktes Monosilan haben die Evonik Degussa GmbH, die jssi und die SOLARWORLD AG Zehn-Jahres-Verträge abgeschlossen. So sichern wir uns langfristig die Grundlage für unsere Siliziumfertigung.
In einer weiteren Verfahrensentwicklung arbeiten wir an der Herstellung von solarem Silizium aus aufbereitetem metallurgischem Silizium. Das Reinigungsverfahren im Rahmen des Joint Venture SCHEUTEN SOLARWORLD SOLICIUM GmbH am Standort Freiberg ist eine Neuentwicklung. Mittels verschiedener Verfahrensschritte werden Bor und Phosphor eliminiert und Silizium als Vorprodukt für die anschließende Waferblockherstellung aufbereitet.
Recycling für die Rohstoffsicherung. Mit der Breite unserer Recyclingaktivitäten nehmen wir eine weltweit führende Marktstellung ein. Unsere Aktivitäten reichen von Nebenprodukten der Solar- sowie Halbleiterherstellung und -verarbeitung, über Wafer- und Zellbruch bis zum Recycling aller handelsüblichen Solarmodule. Produktionsabschnitte, die in der Wafer- und Säulenfertigung anfallen, werden ebenfalls vollständig rückgeführt.
Zellen und Module aus recycelten Wafern erfüllen die gleichen Qualitäts- und Leistungskriterien wie Module aus nicht recycelten Rohstoffen. Uns ist es gelungen, die internen Recyclingprozesse zunehmend zu automatisieren und damit kosteneffizienter zu gestalten; so wurden beispielsweise 2008 eine vollautomatische Feinkornätzanlage und eine Sortierstrecke genutzt. Ein weiterer Vorteil: Der Energieeinsatz im Recycling liegt deutlich unter dem in der Primärsiliziumherstellung. Die Kosten für das Aufbereiten des Sekundärsiliziums liegen zwischen zehn und 50 Prozent der Rohstoffeinkaufpreise (ohne Spotmarktgeschäfte), so dass 2008 auch das Recycling dazu beitrug, die mittleren Rohstoffkosten des Konzerns zu senken.
2008 konnten wir die Wareneingangskontrollen und Analysenprozesse optimieren und neue Aufbereitungstechnologien einsetzen: Dadurch ist ein breiteres Spektrum an Recycling-Material nutzbar. Im Berichtsjahr haben wir das Aufbereitungsergebnis von ca. 900 t sowie eine konstante Materialqualität gehalten – trotz des zunehmend komplexeren Rohstoffmixes und des gestiegenen Aufwands. solarmaterial arbeitete unter voller Auslastung. Insgesamt steht eine nominale Ätzkapazität von 1.200 t p.a. zur Verfügung.
Als Dienstleistung für externe Kunden bieten wir Recycling von der Aufbereitung bereit gestellter Rohstoffe bis zur Block- und Waferherstellung. Rund ein Drittel des Umsatzes aus dem Recyclingbereich generieren wir auf diese Weise, die Priorität liegt aber auf der konzerneigenen Rohstoffversorgung: Unser Recycling trägt rund 20 Prozent der Rohstoffversorgung des Konzerns.
Ergänzend zum konzerninternen Engagement gehören wir zu den Mitinitiatoren des 2007 gegründeten und in Brüssel ansässigen Vereins PV CYCLE. www.pvcycle.org Zu den Aufgaben des Vereins gehören die Schaffung eines freiwilligen europäischen Rücknahmesystems von Solarstrommodulen sowie die Absicherung eines sachgerechten Recyclings. PV CYCLE repräsentiert heute etwa rund 70 Prozent der europäischen Modul- und Solarzellenhersteller. Mit seinen Aktivitäten greift der Verein den angekündigten gesetzlichen Rücknahmeverpflichtungen vor und schafft eine auf Eigeninitiative basierende Herstellerverantwortung für den gesamten Produktlebenszyklus. Chancen
Geschlossene Wertkette im SOLARWORLD Konzern
Quelle: PV-Cycle-Basisgraphik






