Weltwirtschaftliche Lage erschwert Prognosen. Ein konkreter Ausblick auf die weltwirtschaftliche Lage 2009 und 2010 ist infolge der aktuellen Finanzkrise und ihrer um sich greifenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft mit großer Unsicherheit behaftet. Die Wirtschaftsinstitute sind sich aber einig: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird in den meisten Industrieländern 2009 stagnieren oder sogar zurückgehen. Für große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien rechnen die meisten Institute dagegen mit einem weiteren Wachstum, allerdings deutlich moderater als zuvor. Das DIW erwartet beispielsweise im Euroraum für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent. In den USA soll die Konjunktur sogar um 2,0 Prozent zurückgehen. Im Jahr 2010 dürfte sich die Wirtschaftslage wieder etwas entspannen, so dass im Euroraum mit einem leichten Plus von 0,5 Prozent zu rechnen ist. Die USA könnten ein Plus von 1,8 Prozent erreichen. Auch die deutsche Wirtschaft dürfte sich ähnlich entwickeln: Für 2009 erwartet das DIW einen Rückgang des BIP um minus 1,1 Prozent, im Jahr 2010 soll die Wirtschaft wieder um 1,1 Prozent wachsen.
Energiemarkt bleibt preisvolatil. 2009 und 2010 werden auch für die Entwicklung der Weltenergieversorgung entscheidend sein. Wesentliche Faktoren, die bereits 2008 die Entwicklung der Energiepreise beeinflusst haben, werden weiterhin für hohe Preisvolatilität im Energiemarkt sorgen – dazu zählen beispielsweise die Verknappung der Energieressourcen, Engpässe bei den Raffineriekapazitäten und die Sorge um potenzielle Reduktionen der Ölfördermengen seitens der OPEC.
Die internationalen Bemühungen, Treibhausgasemissionen zu verringern, werden künftig die Investitionen im Energiesektor stark beeinflussen. Die Weltklimakonferenz in Posen Ende 2008 stellte die Weichen für die weiteren Verhandlungen im Rahmen der Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009. Dort steht ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll zur Unterschrift an, das die internationale Staatengemeinschaft zu einer weiteren Senkung der Treibhausgasemissionen verpflichten soll. Eine solche Vereinbarung lässt weitreichende Konsequenzen für die Struktur und technologische Entwicklung der weltweiten Energieversorgung vermuten. Eine aktive Beteiligung der Vereinigten Staaten bei der Emissionsreduktion – wie vom neuen US-Präsidenten Barack Obama angekündigt – dürfte zudem die wirtschaftliche Tragweite eines solchen Abkommens wesentlich erhöhen.
Erneuerbare Energien rücken auf bei der Stromerzeugung. In den kommenden zwei Jahren werden die Marktanteile erneuerbarer Energien am internationalen Energiemix rasant steigen – dank der breiteren politischen Unterstützung und der zunehmenden technologischen Reife. Die IEA rechnet damit, dass kurz nach 2010 erneuerbare Energien Erdgas in der Rangfolge ablösen werden und nach Kohle zur zweitwichtigsten Energiequelle bei der Stromerzeugung aufsteigen (Zahlen lt. »Referenzszenario«) Chancen Innerhalb der erneuerbaren Energien sieht die IEA das Wachstum vor allem in den Bereichen Solar- und Windenergie sowie der Geothermie. Diese Einschätzung gewinnt zusätzliche Bedeutung, da nach Prognosen der Energy Information Administration (EIA) künftig der Strommarkt stärker als alle anderen Energiesektoren wachsen und für knapp die Hälfte des erwartenden Zuwachses im weltweiten Energieverbrauch verantwortlich sein wird. Daraus lässt sich ein enormes Marktpotenzial für Solarstromtechnologien ableiten.
2009/2010 entscheidend für die Zukunft des Solarstromsektors. Die 2008 verabschiedeten Novellierungen der Förderprogramme in den Schlüsselmärkten Deutschland und Spanien legen eine Degression der Einspeisevergütung ab 2009 fest, die über eine entsprechende durchschnittliche Preissenkung für Solarmodule von mindestens acht bis zehn Prozent aufgefangen werden muss. Infolgedessen wird sich die Solarindustrie in den nächsten zwei Jahren darauf konzentrieren, die Herstellungskosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren.
Zukünftiges Angebot – geprägt durch rasanten Kapazitätsausbau. Kosten senkend könnte sich bereits 2009 die erwartete Entschärfung der Engpässe im Siliziummarkt auswirken. Mit der Inbetriebnahme neuer Produktionsanlagen im Laufe des Jahres werden sich laut der Sarasin Bank die weltweiten Siliziumkapazitäten für die Solarindustrie knapp verdoppeln auf 63,5 (2008: 35,9) Tausend Tonnen. Angesichts des technischen Fortschritts können zudem vermehrt alternative Siliziumquellen wie metallurgisches oder aus dem Recycling gewonnenes Silizium am Rohstoffmarkt zum Einsatz kommen und Marktanteile gewinnen. Wir gehen daher davon aus, dass die Siliziumpreise im Jahr 2008 ihren Höhepunkt überschritten haben und ab 2009 nachgeben werden. Die rückläufigen Beschaffungskosten wirken sich positiv auf die Kostenstruktur der Industrie aus.
Zusätzlich wird die Industrie durch Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie kontinuierlichen Verbesserungen der Produktionsschritte den Materialeinsatz optimieren. EPIA erwartet, dass es bis zum Jahr 2010 gelingt, die durchschnittliche Waferdicke um rund zwölf Prozent auf 150 µm weiter zu reduzieren und den durchschnittlichen Zellwirkungsgrad auf 17,5 Prozent zu erhöhen. Damit würde der durchschnittliche Siliziumbedarf pro Wattpeak 2010 um rund zehn Prozent auf 7,5 (2008: 8,5) g/Wp sinken.
Obwohl die Finanzierung des Wachstums vieler Unternehmen vor allem im asiatischen Raum aufgrund der Finanzkrise und der damit verbundenen Kreditengpässe erschwert werden könnte, gehen Analysten weiterhin von Investitionen in den Kapazitätsausbau auf allen Wertschöpfungsstufen aus. EPIA beispielsweise erwartet für das Jahr 2009, dass die Investitionen in den Ausbau der Wafer-, Zell- und Modulkapazitäten um jeweils bis zu 75 Prozent steigen. Analysten der Sarasin Bank prognostizieren eine Erweiterung der Zellproduktionskapazität auf rund 7,9 GW im Jahr 2009 und 13,2 GW im Jahr 2010 (2008: 4,2 GW). Im gleichen Zeitraum soll die Produktionskapazität von alternativen Solartechnologien wie Dünnschicht auf rund zwei GW in 2009 und vier GW im Jahre 2010 wachsen (2008: 1 GW).
Der stete Produktionsausbau führt ab 2009 voraussichtlich zu Überkapazitäten im Zell- und Modulsegment. Mit zunehmendem Angebotsüberhang werden sich dann die Margen dieser Segmente reduzieren und nur die Hersteller, die durch Skaleneffekte und Effizienzsprünge ihre Kosten senken können, werden sich am Markt behaupten. Dieser Verdrängungseffekt dürfte vor allem unabhängige Zell- und Modulhersteller treffen, die über geringe Verhandlungsmacht bei der Preisgestaltung mit Lieferanten und Kunden verfügen, aber auch neue Marktteilnehmer, die keine langfristigen Lieferanten- und Kundenbeziehungen aufbauen konnten. Große etablierte Marktteilnehmer wie die SOLARWORLD AG dürften dagegen von dieser Entwicklung weniger berührt werden – sie könnten dank der Konsolidierungstendenzen sogar Marktanteile gewinnen.
Zukünftige Nachfrage – Absatzmärkte stabil. Für die Solarindustrie stellt das Jahr 2009 eine große Herausforderung dar. Einerseits könnten die sinkenden Einspeisevergütungen in verschiedenen Märkten und der erschwerte Kapitalzugang für Investoren das gewohnte Wachstumstempo der Branche wesentlich verlangsamen. Andererseits sind Optimierungen im Produktionsprozess und eine bessere Versorgung mit Rohmaterial absehbar. Den erwarteten Preisrückgang dürften die Besten der Branche überwinden, wenn sie die Produktionskosten entsprechend reduzieren. Gleichzeitig kommen alle damit der Netzparität einen großen Schritt näher.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Schlüsselmärkten Deutschland, Spanien und den USA, die 2009 und 2010 rund 60 Prozent der weltweiten Nachfrage stellen werden (2008: über 70 Prozent), wurden bereits 2008 novelliert. Damit verfügt der Weltmarkt über einen soliden Investitionsrahmen für die Zukunft.
Das Marktvolumen soll sich laut EPIA bis 2010 auf 24 bis 30 (2008: 13) Mrd. € verdoppeln. Für 2009 wird ein Marktwachstum von knapp 25 Prozent auf 5,1 GW neu installierter Solarstromleistung (2008: 4,2 GW) Solarworld 2008 prognostiziert. Allerdings könnte der Absatz im 1. Quartal 2009 aufgrund von Vergütungsrückgängen und Finanzierungsengpässen zunächst schwach bleiben. In einigen Regionen wird dies durch das montageunfreundliche Wetter verstärkt. Es wird aber erwartet, dass die Nachfrage im Laufe des Jahres durch Preisanpassungen wieder anzieht. Für 2010 wird ein Wachstum der installierten Solarstromleistung um weitere 35 Prozent auf rund 7,0 GW vorhergesagt.
Die Herausforderungen für Solarunternehmen im Jahr 2009 basieren überwiegend auf der Novellierung des Förderprogramms in Spanien, das für diesen Zeitraum eine Installationsobergrenze neuer Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 500 MW festgeschrieben hat. Das Marktvolumen dürfte 2009 im Vergleich zum Vorjahr stark rückläufig sein. Auch die Einspeisevergütung für Solarstrom sinkt laut dem neuen Fördergesetz »Real Decreto 1578/2008« ab 2009. Da die Rendite der spanischen Solarprojekte aber trotz der anstehenden Vergütungsreduktion sehr attraktiv bleibt, kann davon ausgegangen werden, dass die geplanten 500 MW Leistung komplett realisiert werden.
Der deutsche Markt soll laut der kürzlich erschienenen Studie der Sarasin Bank (November 2008) im Jahr 2009 um rund 25 Prozent auf 1.870 (2008: 1.500) MW neu installierte Leistung steigen, im Jahr 2010 auf über 2.240 MW. Analysten der Deutsche Bank erwarten sogar trotz Finanzkrise einen Zuwachs auf über 2.200 MW 2009 und auf 2.800 MW im Jahr 2010.
Weitere Absatzmöglichkeiten in Europa bieten neue Wachstumsmärkte wie Italien, Frankreich, Tschechien und Belgien. Bereits 2008 verzeichneten diese Märkte einen starken Zuwachs. Der Solarstrommarkt Mit der im Jahr 2008 gewonnenen Erfahrung dürften sowohl Genehmigungsprozesse als auch Vertriebswege und Installationsprozesse effizienter geworden sein, was dem gesamten europäischen Markt zu Gute käme. Trotz der starken Umsatzrückgänge in Spanien könnte Europa laut Einschätzung der Sarasin Bank auch 2009 ein attraktiver Absatzmarkt bleiben und 2010 mit einer neu installierten Solarstromleistung von rund vier GW um mehr als 25 Prozent gegenüber 2009 weiterwachsen.
Ein Wachstumstreiber 2009 wird der US-Solarmarkt sein. Dort gewährt ein Ende 2008 verabschiedetes Fördergesetz (»Renewable Energy Tax Credit«) privaten Haushalten und der Industrie Steuernachlässe von 30 Prozent der Investitionskosten für Solaranlagen. Es handelt sich hierbei um eine Verlängerung des Ende 2008 ausgelaufenen Gesetzes für weitere acht Jahre. Neu ist, dass auch Energieversorger von entsprechenden Steuernachlässen profitieren können – ein Signal, das dem US-Markt starke Wachstumsimpulse verschaffen dürfte, zumal manche US-Regionen dank hoher Endverbraucherpreise und starker Sonneneinstrahlung schon heute nah an der Netzparität für Solarstrom sind. Ab 2009 werden daher Investitionen in große Solarstromanlagen für die US-Stromversorger ein interessantes Geschäft mit attraktiver Verzinsung darstellen. Anders als bei privaten Investoren sollte die Finanzierung solcher Großprojekte Energieversorgern mit traditionell hoher Liquidität keine Schwierigkeit bereiten. Es ist zu erwarten, dass das Vorhaben des US-Präsidenten Barack Obama, den Energiemixanteil der erneuerbaren Energien in den USA zu verdoppeln, für einen weiteren Wachstumsschub in der US-Solarbranche sorgen wird. Im Rahmen des Konjunkturprogramms will Obama bis zu 150 Mrd. US-Dollar für eine neue Ausrichtung der Energieversorgung in den USA über die nächsten zehn Jahre bereitstellen.
Vor allem in US-Bundesstaaten, wo bereits Quotensysteme (»Renewable Portfolio Standards«) mit Mindeststandards für Solarenergie existieren, dürfte das Interesse an solaren Großkraftwerken in den nächsten zwei Jahren stark zunehmen. Für 2009 erwartet die Sarasin Bank eine Verdoppelung des US-Solarmarktes auf rund 680 MW neu installierter Leistung (2008: 340 MW). Rechtliche und wirtschaftliche Einflussfaktoren Im Jahr 2010 könnten die USA die 1.000-MW-Grenze durchbrechen und eine neu installierte Leistung von knapp 1.400 MW erreichen.
Es ist zu erwarten, dass auch der asiatisch-pazifische Raum 2009 zu einem wichtigen Nachfragetreiber heranwächst. Etablierte Märkte wie Südkorea und Japan dürften ein dynamisches Wachstum aufzeigen, aber auch neue Märkte wie Indien und Australien, die 2008 erstmalig Gesetze zur Förderung vom Solarstrom verabschiedeten, werden dem internationalen Markt positive Impulse geben. Insgesamt rechnen Sarasin-Experten für den asiatischen Raum mit einem Wachstum von über 65 Prozent auf rund 730 MW in 2009 (2008: 430 MW). Bis 2010 dürfte eine Leistung von rund 1,2 GW neu installiert werden.
Je mehr sich die Solarbranche Richtung Netzparität bewegt, umso deutlicher werden sich die Hauptabsatzmärkte weg von Europa hin zu sonnenreicheren Regionen wie Asien und den USA verlagern. Dennoch wird Europa auch im Jahre 2010 immer noch die weltweit wichtigste Absatzregion bleiben.
Verteilung der Marktanteile nach Regionen
Quelle: Sarasin, 2008






